„Meist zu kurz und oft allein“ – Lehrerbefragung zur Qualität von MINT-Lehrerfortbildungen

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat für die Deutsche Telekom Stiftung 500 MINT-Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen zum Thema professionelle Weiterentwicklung befragt – zu ihren Einstellungen, ihrem Fortbildungsverhalten, tatsächlichen und gewünschten Rahmenbedingungen.

Laut der Befragung kommt wenig aus den grundsätzlich als gut bewerteten Fortbildungen im Unterricht an, auch wenn meist konkrete Tipps zur Umsetzung gegeben werden. 57 Prozent der Befragten gaben an, dass die Inhalte ihrer letzten Fortbildung lediglich in Teilen Anwendung gefunden hätten, 16 Prozent konnten gar nichts in ihren Unterricht überführen.

Zurückgeführt wird dies besonders auf zwei Faktoren: immer noch sind die Fortbildungsangebote häufig als Einmalveranstaltungen angelegt und es fehlt an echter Lehrerkooperation bei der professionellen Entwicklung. Das DZLM setzt bei der forschungsbasierten Entwicklung seiner Fortbildungsreihen und -konzepte schon lange auf Gestaltungsprinzipien, die diesem Trend entgegenwirken.

„Eines unserer wichtigsten und wirksamsten Prinzipien ist die Reflexionsorientierung, dazu folgen unsere Angebote einem Sandwich-Prinzip und haben mehrere Präsenztermine, aber auch zwischendrin Erprobungsphasen. Nur so kann man den Praxistest machen – und bringt seine konkreten Erfahrungen und Probleme jeweils in die nächste Präsenz- und Reflexionsphase mit ein“, erklärt Prof. Bärbel Barzel, die am DZLM die Abteilung Entwicklungsprogramm leitet. Co-Abteilungsleiterin Prof. Susanne Prediger ergänzt: „Nach unserer Erfahrung können wir die Quote dessen, was im Unterricht ankommt, dadurch erhöhen, dass die Veranstaltungen an den fachdidaktischen Kern-Herausforderungen des Fachunterrichts arbeiten und wir die Lehrkräfte dabei begleiten, die thematisierten Ansätze auch tatsächlich umzusetzen.

Prof. Bettina Rösken-Winter, Leiterin der Forschungsabteilung, hebt einen zusätzliches Aspekt hervor: „Ein weiteres wichtiges Prinzip für unsere Fortbildungen ist die Kooperationsanregung, und zwar nicht nur auf der Ebene des Materialaustauschs. Wir regen Lehrkräfte zum Beispiel dazu an, in so genannten professionellen Lerngemeinschaften zusammenzuarbeiten, Unterricht gemeinsam (weiter-) zu entwickeln und zu hospitieren.“

PLG-Mitglied Frank Thies von der mit dem DZLM kooperierenden Julius-Leber-Schule in Hamburg fasst die Vorteile dieser institutionalisierten Kooperation folgendermaßen zusammen: „Das Tolle an der Professionellen Lerngemeinschaft ist, dass wirklich etwas hängen bleibt und man am Ball bleibt. Wenn man normale Fortbildungen besucht, probiert man das danach aus. Klappt die Methode nicht, lässt man es dann oft wieder, und es bleibt nicht viel hängen. In der PLG dagegen werden Unterrichtskonzepte, die nicht auf Anhieb funktionieren, im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen überarbeitet und neu ausprobiert.“

Diese Kooperationsformen sollten aus Sicht des DZLM schon früh in der beruflichen Laufbahn erlernt und kennengelernt werden. In einer Kooperation mit dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Sindelfingen wurden zuletzt zum Beispiel PLG-Begleiterinnen und –Begleiter darin geschult, PLGen bereits bei ihren Lehramtsanwärterinnen und –anwärtern zu initiieren und zu begleiten.

Für diese komplexen Kooperationsformen braucht es aber größere Freiräume. Auch wenn Schulleitungen laut der Befragung die Fortbildungsbemühungen ihrer Lehrkräfte schon sehr gut unterstützen wünscht sich auch Dr. Ekkehard Winter von der Deutsche Telekom Stiftung noch mehr Raum für wirkliche Kooperation: „Schulleitungen sollten Personalentwicklung als ihre zentrale Aufgabe begreifen und die Fortbildung ihres Kollegiums tatkräftig unterstützen. Das bedeutet vor allem: Freiraum geben, in dem echte Zusammenarbeit möglich ist.“