2. DZLM-Jahrestagung: Interventionsspezialisten und Schnittstellenmanager – vielfältige Multiplikatoren-Aufgaben

140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich am 5. September auf der Jahrestagung des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) über die Chancen und Herausforderungen der Multiplikatorenfortbildung für den Mathematikunterricht aus

     
Über 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der 2. Jahrestagung des DZLM


Freiburg (Breisgau). Nachhaltigkeit, Austausch, Praxisnähe und stabile Netzwerke, die über die eigentlichen Fortbildungskurse hinausgreifen – das wünschen sich zukünftige Multiplikatoren von ihrer Fortbildung. Die DZLM-Jahrestagung an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg brachte am 5. September Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mit DZLM-Expertinnen und -Experten zusammen: in Vorträgen, bei der Präsentation ausgewählter DZLM-Fortbildungen im „Markt der Möglichkeiten“ sowie in Diskussionsforen.

Das DZLM sieht sich als Schnittstelle und zentraler, länderübergreifender Ansprechpartner in Sachen Multiplikatorenfortbildung für den Mathematikunterricht. Diese Aufgabe ist umso wichtiger, als eine zentrale Unterstützung der Länder bislang fehlt. Das erklärte Ziel ist demzufolge eine Erweiterung des mit Fach-Experten entwickelten DZLM-Fortbildungsangebots, das von den einzelnen Bundesländern abgerufen werden bzw. mit diesen nach ihren individuellen Bedürfnissen entwickelt werden kann. Der „Markt der Möglichkeiten“  mit seinen Themenkategorien „Inhaltsbereich des Mathematikunterrichts“, „Kompetenzorientierter Mathematikunterricht“, „Mathematische Lehr- und Lernprozesse“ und „Fortbildungsdidaktik und -management“ gab auf der Tagung kurze Einblicke in diese Fortbildungen. 

Dabei wurde unter anderem ein großes Interesse an der Etablierung von Professionellen Lerngemeinschaften (PLG) deutlich, um das in den Fortbildungen Gelernte zu verstetigen, sich mit Kollegen auszutauschen und gemeinsam den Unterricht weiter zu entwickeln. Ein Fazit: Die einzelnen Landesinstitute und -schulämter können sich noch stärker engagieren, um die vom DZLM angeschobenen und angeleiteten PLG in ihrer weiteren Arbeit zu unterstützen, auch finanziell.

Starke Forschungsleistung und Nachwuchsförderung

Die DZLM-Fortbildungen werden auf der Basis intensiver Forschung entwickelt und durch fortwährende Begleitforschung weiterentwickelt. „Die Forschung auf dem Gebiet der Mathematikdidaktik und die gleichzeitige Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und ihren Forschungsvorhaben ist ein Alleinstellungsmerkmal des DZLM“, sagte DZLM-Direktor Prof. Dr. Jürg Kramer  und wies auf die große Zahl von Dissertationen hin, die innerhalb des DZLM und an den kooperierenden Standorten entstehen. Bereits vor der offiziellen Tagung präsentierten zwei Dutzend Doktoranden im Rahmen einer Pre-Conference ihre Projekte.

Auch mit der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses möchte das DZLM seine wissenschaftlichen Aktivitäten sichtbar machen und Vernetzungsmöglichkeiten sowie Synergieeffekte über die verschiedenen Standorte und Abteilung des DZLM hinweg schaffen.

 

Jürg Kramer im Gespräch mit 
Günter M. Ziegler (FU Berlin)

Darüber hinaus dient die begleitende Forschung auch der Qualitätssicherung, die durch den intensiven Austausch der DZLM-Wissenschaftler untereinander möglich wird.

Breites Spektrum der DZLM-Forschung

Die bei der Pre-Conference vorgestellten Forschungsprojekte bilden das breite Spektrum des Zentrums ab. So beschäftigen sich die Vorhaben beispielsweise mit „Effekten von Lehrerfortbildungen zur Förderung prozessbezogener Kompetenzen im Mathematikunterricht“ oder mit dem Themenkomplex fachfremd Unterrichtender: „Mathematik fachfremd unterrichten: Analyse fachbezogener Lehreridentität und Interventionsmöglichkeiten durch Weiterbildung“. Ein anderes Projekt wiederum fokussiert Lehrerkooperationen und deren Bedeutung für die Effektivität der Lehrerfortbildung.

Andere Vorhaben nehmen konkrete Inhalte und die Vermittlung im Mathematikunterricht in den Blick, wie das Projekt „Begriffsbildung im Mathematikunterricht der Sek I zum Thema Winkel“, in dessen Rahmen ein kompetenzorientiertes, qualitatives Diagnoseinstrument entwickelt wird. Eine weitere Forschungsarbeit untersucht den monoedukativen Mathematikunterricht – also in getrenntgeschlechtlichen Gruppen – in der siebten Klassenstufe. Im Interesse stehen dabei wesentliche Aspekte für geschlechtergerechtes und erfolgreiches Mathematiklernen bei Mädchen und Jungen.

Vielfältige Aufgaben für Multiplikatoren

 Konrad Krainer

 

Welch anspruchsvolle Aufgaben Multiplikatoren erwarten, brachte Prof. Dr. Konrad Krainer vom Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt in seinem Vortrag auf den Punkt:

Multiplikatoren sind

  • Interventionsspezialisten
  • Schnittstellenmanager
  • Innovationsverbreiter
  • forschend Lernende

Sie sollen Berater und Vermittler guter Praxis sowie „Brückenbauer“ zwischen Forschung und praktischer Umsetzung sein.Auch ihre Fähigkeiten als kritische Vernetzer sind gefragt, und sie sollten bei allem nie eine wichtige Tatsache aus den Augen verlieren: „Lehrerfortbildung kann nicht nachhaltig wirken, wenn sie nicht berücksichtigt, dass sich Schule weiterentwickelt“, sagte Krainer. Das heißt: Die Erkenntnisse der Unterrichtsforschung müssen fortwährend auch in die Multiplikatorenfortbildung einfließen, um die Multiplikatoren in ihrer Aufgabe als Fortbildner ihrer Kollegen zu unterstützen. So könnten Multiplikatoren beispielsweise auch die im Schulunterricht eingesetzte Methodik des forschenden Lernens zum Einsatz bringen.

Auf Augenhöhe mit den Kollegen

Neben diesem „roten Faden“ gibt es eine Fülle weiterer Überlegungen, die bei der Fortbildung von Multiplikatoren eine große Rolle spielen. So gab unter anderem Prof. Dr. Bärbel Barzel von der Universität Duisburg-Essen zu bedenken, man müsse sich als Multiplikator stets vergegenwärtigen, dass es Erwachsene mit Fach- und Expertenwissen und keine Schüler seien, die man fortbilde. Entsprechend müsse die Lehrmethodik angepasst werden.

Es geht, neben der Vermittlung neuer Inhalte, vor allem darum, das unterschiedliche Wissen und die Erfahrungen der Lehrkräfte bzw. Multiplikatoren zu nutzen, auszutauschen und zu moderieren. Barzels Kollege Prof. Dr. Timo Leuders ergänzte: Ein kollegialer Umgang auf Augenhöhe zwischen den Multiplikatoren und ihren Kollegen, die sie fortbilden wollen, sei wichtig: „Besserwissertum ist kontraproduktiv und blockiert.“

 Podiumsdiskussion

 

Auch in den abschließenden vier Diskussionsforen wurden verschiedene Aspekte thematisiert:

  • Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Fortbildungen, 
  • bundesländerübergreifende Initiativen, 
  • Kompetenzorientierung sowie 
  • Mulitplikatorenkompetenzen und Qualitätssicherung.

Dabei kam auch heraus: Vor allem für Lehrkräfte ist die Rolle des Multiplikators zunächst ungewohnt. 

Sie sehen sich vielmehr in einer Doppelrolle, weil sie sich selbst auch als Lernende und Fortbildungsbedürftige wahrnehmen, sich zugleich aber darauf vorbereiten, andere fortzubilden. Ein Umstand, der in der Multiplikatorenausbildung künftig noch mehr Beachtung finden wird.

„Markt der Möglichkeiten“ – die Präsentationen zu den Fortbildungen im Überblick:

„Inhaltsbereich des Mathematikunterrichts“:

 „Kompetenzorientierter Mathematikunterricht“,

„Mathematische Lehr- und Lernprozesse“

 „Fortbildungsdidaktik und –management“

Weitere Vorträge:
Vortrag Prof. Dr. Jürg Kramer „Perspektiven und Aktivitäten des DZLM“

Vortrag Prof. Dr. Konrad Krainer „Lehrerfortbildung als Intervention“

    

Vortrag Prof. Dr. Bärbel Barzel und Prof. Dr. Christoph Selter „Konzept der Multiplikatoren-Fortbildungen des DZLM“