Fördern und Fordern – differenziert und digital: Die 4. Jahrestagung des DZLM

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Erfurt, 19. September 2015. Wie fördert und fordert man Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht bestmöglich und welche Methoden und digitalen Werkzeuge helfen dabei? Darüber diskutierten  die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 4. DZLM-Jahrestagung in Erfurt – und probierten neue Ideen für den Unterricht gleich selbst aus.

Einst predigte im Erfurter Dom Martin Luther, nun kamen hier – unter dem nachempfundenen Sternenhimmel des Coelicum („Himmelchen“) – die ca. 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 4. DZLM-Jahrestagung zusammen. Wie fördert und fordert man Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht bestmöglich und welche Methoden und digitalen Werkzeuge sind dabei gute Helfer? Zu dieser Frage tauschten sich Mathematik-Lehrpersonen aller Schulstufen, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die andere Lehrende fortbilden und beraten, Verantwortliche von Fortbildungsträgern und an Mathematik-Fortbildungen interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 12 Workshops aus.  

Christina Kindervater vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und betonte die gute und wichtige Zusammenarbeit des Ministeriums und des DZLM, z.B. bei Projekten wie MAMUTH und PIKAS. Auch die am DZLM entwickelten und erprobten Fortbildungsreihen„Stochastik kompakt“ und „EmMa – Erzieherinnen und Erzieher machen Mathematik“  starten zum Herbst in Thüringen.

Keine Furcht vor Mathematik

Gastgeberin Regina Möller, Professorin für Mathematikdidaktik an der Universität Erfurt und Länderkoordinatorin des DZLM, stimmte das Publikum im Anschluss unter anderem auf die Historie der besonderen Räumlichkeiten ein, bevor DZLM-Direktor Jürg Kramer einen Einblick gab, wie das DZLM qualifiziert, forscht und Netzwerke bildet. 

Einen schönen Gegensatz zur historischen Kulisse bot dann die „Entdeckungsreise zu modernen Anwendungen der Geometrie“, der Eröffnungsvortrag von Konrad Polthier (DZLM, Freie Universität Berlin), u.a. Experte für mathematische Geometrieverarbeitung und Visualisierung. Geometrieanwendungen, z.B. in der Bildbearbeitung und in Science Fiction-Filmen wie X-Men wecken sicherlich auch großes Interesse bei Schülerinnen und Schülern. „Vielleicht etwas Ehrfurcht, aber keine Furcht“ solle man vor diesen komplex erscheinenden Anwendungen haben, riet Polthier.

Fördern und Fordern in 12 Workshops

In den 12 Workshops ging es dann um Fragen wie: Welche Aufgabenarten und Methoden sind im inklusiven Unterricht sinnvoll, wie initiiert man sie und wie etabliert man professionelle Lerngemeinschaften im Kollegium? Welche neuen Erkenntnisse gibt es zu Leistungsfeststellung, Diagnose und Förderung, auch von begabten Schülerinnen und Schülern? Andere Workshops wiederum nahmen die Rolle der Sprache im Mathematikunterricht in den Fokus: Wie werden neue Begrifflichkeiten, zum Beispiel in der Geometrie oder im Prozentrechnen, eingeführt – und welche inhaltlichen Vorstellungen müssen dafür aufgebaut werden? Darüber hinaus wurden viele digitale Werkzeuge z.B. für die Bereiche Geometrie und Stochastik getestet.

Die perfekte Aufgabe als Abschiedsgeschenk

Bei der gemeinsamen Suche nach der „perfekten Aufgabe“ für den Mathematikunterricht nahm Timo Leuders (DZLM, Pädagogische Hochschule Freiburg) unter anderem seine „Kollegen“ aus der Serie „Big Bang Theory“ zur Hilfe und brachte die Teilnehmenden zum Abschluss der Tagung noch einmal zum Schmunzeln – und hoffentlich auf viele neue Ideen!

Ausgetauscht werden können diese dann zum Beispiel auf den DZLM-Bundestagungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren – diese finden am 14.11.2015 in Mannheim (Primarstufe) und Köln (Sekundarstufe) statt. 

Auf der nächsten Jahrestagung des DZLM feiert das Zentrum dann seinen 5. Geburtstag – im September 2016 in Berlin. 

Erkenntisse aus der Forschung verbreiten – Pre-Conference für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Während die Workshops der DZLM-Jahrestagung forschungsbasiert und sehr praxisorientiert sind, richtete sich die jährliche Pre-Conference am Vortag wieder an den wissenschaftlichen Nachwuchs – diesmal zum Thema „Publizieren in Wissenschaft und Praxis“. Nach einem Impuls der DZLM-Abteilungsleiterinnen Petra Scherer, Bärbel Barzel und Bettina Rösken-Winter diskutierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie externe Gäste in zwei Workshops ihre Forschungsprojekte und die Frage, wie und in welcher Form diese am besten Verbreitung finden können.

Bettina Rösken-Winter, stellvertretende Leiterin der Abteilung C – Begleitforschung und Evaluation, sagt: „Das DZLM ist in Bezug auf seine Veröffentlichungen auf sehr heterogene Zielgruppen ausgerichtet. Als Entwicklungseinrichtung möchten wir unsere Erkenntnisse natürlich mit der nationalen Fortbildungs- und Schulpraxis teilen, als Forschungseinrichtung aber auch international zur Weiterentwicklung vorhandener Theorien beitragen. Dabei denken wir in erster Linie an die fachspezifische Scientific Community der Mathematikdidaktik, aber auch an die empirische Bildungsforschung.“

DZLM-Forschungskoordinatorin Julia Bruns ergänzt: „Alle diese Zielgruppen haben eigene Publikationsorgane mit einer eigenen Fachsprachlichkeit und einem Repertoire an Standardwerken, auf das man Bezug nehmen muss. Um seine Beiträge erfolgreich verbreiten zu können muss man diese Aspekte kennen und bedienen können. Die Pre-Conference hat dabei deutlich zum Erfahrungsaustausch beigetragen.“